Papas Seele hat Schnupfen

Vom 09. bis 11. Oktober 2018 war die Kinderbuchautorin Claudia Gliemann zu Gast in der Silverbergschule und an den beiden Standorten des Grundschulverbundes Flaesheim und Hullern. In den musikalisch begleiteten Lesungen für die Dritt- und Viertklässler las die Autorin insgesamt 160 Schülerinnen und Schülern aus ihrem Buch „Papas Seele hat Schnupfen“ vor. Begleitet wurden die Veranstaltungen von einer Mitarbeiterin von pro anima – einem Präventionsprojekt des Caritasverbandes für Kinder von psychisch- oder suchtkranken Eltern in Haltern am See.

Das Buch handelt von der Geschichte der kleinen Zirkusartistin Nele, die beschreibt, wie ihr Vater, ein berühmter Seilartist, an einer Depression erkrankt und wie die Erkrankung das Familienleben verändert. Gemeinsam mit der Zirkusfamilie erlebt Nele, dass es ihrem Papa manchmal besser und schlechter geht, aber er gibt nicht auf, und durch die Krankheit entdeckt er plötzlich Fähigkeiten, die ihm vorher gar nicht so bewusst waren.

Claudia Gliemann fesselte die Kinder durch ihr Vorlesen sowie durch das gitarrenbegleitete Singen selbst geschriebener Lieder, die Einblick in die Gefühlswelt von Nele und ihren Eltern gaben. Die abwechselnde Gestaltung durch das Vorlesen und das Vortragen der Lieder kam bei den Kindern sehr gut an und es gab keinen Moment, in dem die kleinen Zuhörer nicht gespannt zuschauten bzw. zuhörten.

Die Kinder konnten sich sehr gut in die Geschichte hineinversetzen, mit den Gefühlen der Betroffenen auseinandersetzen und diese auch mit ihrer eigenen Familie oder anderen in Beziehung setzen. In ihrer ehrlichen und interessierten Art verstand es Claudia Gliemann, die Kinder durch ihre Geschichte zu berühren, und ihnen Wege aufzuzeigen, gut für sich zu sorgen.

Auch wenn die Geschichte den Kindern emotional sehr nahe ging, wurde in dem anschließenden Gespräch zwischen der Autorin, der Mitarbeiterin von pro anima und den Kindern deutlich, dass die Lesereise den Schülerinnen und Schülern gut gefallen hat. „Das Stück war traurig und auch schön“, brachte es ein Kind auf den Punkt.

Neben den Lesungen für die Kinder fand auch ein Workshop für die Lehrerinnen und Lehrer der drei Grundschulen statt, in dem diese sich auch auf die Achterbahn der Gefühle einließen, die dem Zirkusmädchen und ihrer Familie widerfährt. Es wurden Bezüge zum Schulalltag hergestellt und über Hilfsmöglichkeiten gesprochen.

Am Abend erfolgte eine musikalische Lesung mit Frau Gliemann für alle Interessierten in der Stadtbücherei, die ebenfalls viel Anklang fand.

Die Lesereisen von Claudia Gliemann sind ein Beitrag zur Entstigmatisierung des Themas psychischer Erkrankungen und sollen Kindern zeigen, dass sie nicht alleine sind in ihrer Situation und dass sie auch Hilfe erhalten können.